Mag het wat korter zijn? Absoluut! Je hoeft geen volledige roman te lezen om aan betekenisvol literatuuronderwijs te doen in de les Duits. Ook korte, zorgvuldig gekozen fragmenten bieden kansen voor een rijke literaire analyse. Hier ontdek je hoe de kortfilm Edgar en fragmenten uit Der Bademeister ohne Himmel je leerlingen uitnodigen om gevoelens te verwoorden en hen aanzetten tot interpretatie.
Wir alle wünschen uns ein langes, glückliches und erfülltes Leben. Doch bedeutet ein langes Leben automatisch auch ein glückliches Leben? Was macht unseren Alltag lebenswert? Und welche Rolle spielen dabei die kleinen Momente und Begegnungen, die auf den ersten Blick vielleicht unbedeutend erscheinen?
Mit diesen Fragen setzen sich die Lernenden anhand des Kurzfilms Edgar und einiger Auszüge aus Petra Pellinis Roman Der Bademeister ohne Himmel auseinander. Dabei entdecken sie, wie kleine Gesten, unerwartete Begegnungen den Alltag verändern und unserem Leben eine besondere Bedeutung verleihen können.
Zunächst sollen sich die Lernenden vorstellen, dass sie ab heute für längere Zeit frei haben und weder zur Schule gehen noch arbeiten müssen. Was würden sie mit ihrer freien Zeit anfangen, womit würden sie ihre Tage verbringen, wie würden sie sich nach einigen Wochen fühlen?
Die Lehrkraft sammelt die Ideen an der Tafel.
Anschließend versetzen sich die Lernenden in die Lage von Edgar. Er ist ein 67-jähriger Mann, der nicht mehr berufstätig ist und allein lebt. Wie könnte sein Alltag aussehen? Um ihnen zu helfen, könnte die Lehrkraft in einer Wortwolke einige Ideen sammeln, die die Lernenden inspirieren können.
Nachdem die Lernenden kurz reflektiert haben, könnten sie auch die nächsten Fragen beantworten: Was könnte Edgar fehlen, welche Wünsche könnte er noch haben? Um herauszufinden, inwiefern ihre Vermutungen zutreffen, sehen sich die Lernenden den ersten Teil des Kurzfilms Edgar an.
Die Lehrkraft unterbricht den Film an einer geeigneten Stelle und lässt die Lernenden über das bisher Gesehene nachdenken.
Anschließend sehen sich die Lernenden den Rest des Films an und überprüfen ihre Vermutungen. Anschließend reflektieren die Lernenden über die Bedeutung des Films.
Im Roman Der Bademeister ohne Himmel gönnt die Autorin Petra Pellini uns einen Blick auf den Alltag von Linda und Hubert. Die Lehrkraft könnte einen ersten Auszug vorlesen. Die Lernenden hören gut zu und versuchen herauszufinden, was für eine Beziehung Linda und Hubert haben. Wenn sie sich unsicher sind, könnte die Lehrkraft einige Möglichkeiten vorstellen, aus denen sie wählen können. Die Lernenden versuchen auch ihre Antwort anhand des Textes zu begründen.
Da sitzt er (= Hubert). Die Stimme des Radiosprechers steht zwischen uns. Ich (= Linda) ziehe den Stecker. Aus. Stille. Jetzt hat er mich entdeckt. Ich reiche ihm die Hand. Meine heiß. Seine kalt. Jedes Mal frage ich mich, ob er das Mädchen mit den langen, brünetten Haaren erkennt. Er nennt mich du. Ich glaube nicht, dass er mich als fremd einstuft, sonst müsste er die Polizei rufen, wenn ich plötzlich in seiner Wohnung stehe.
Wir spielen Memory, während seine Augen von Zeit zu Zeit zufallen. Ich übernehme seinen Part, spiele gegen mich und sehe zu, wie er gewinnt. "Hunger, Hubert?", frage ich nach seinem dritten Sieg. Ich entferne die Rinde vom Weißbrot und streiche Leberwurst darauf. Ich schneide das Brot und stecke es ihm Stück für Stück in den Mund. Er kaut. "Und runterspülen", sage ich und halte ein Glas Johannisbeersaft an seine aufgesprungenen Lippen. Er nimmt einen winzigen Schluck und spuckt den Saft zurück ins Glas.
"Willst du mich vergiften?"
"Ja, genau", sage ich.
...
Als ich mich von Hubert verabschiede, fragt Ewa (= die polnische Pflegerin) mich, was ich heute noch vorhabe.
"Was ich vorhabe? Nicht viel", antworte ich, "vielleicht ein bisschen Hausarbeit." Hätte ich Geschwister, ließe ich die Hausarbeit mit ein bisschen Streit gerecht aufteilen, aber so bleibt, nachdem Papa seit Jahren weg ist, alles an mir hängen.
Mama schreibt schreckliche Listen
Wäsche aufhängen.
Glas zum Container bringen.
Katzen-Klo reinigen.
Einkäufe - siehe Zettel
Wobei, ganz ehrlich: Ich mag ihre Listen. Sie halten mich vom Lernen ab.
Vielleicht haben die Schüler*innen es schon geraten: "Der Bademeister ohne Himmel" erzählt von der besonderen Freundschaft zwischen einer lebensmüden 15-Jährigen und ihrem 86-jährigen dementen Nachbarn. Linda würde am liebsten vor ein Auto laufen. Doch noch halten zwei Menschen sie davon ab: ihr einziger Freund Kevin und Hubert, sechsundachtzig Jahre alt, ein Bademeister im Ruhestand, der seine Wohnung kaum mehr verlässt, Karotten toastet und auf seine Frau wartet, die vor sieben Jahren verstorben ist. Dreimal wöchentlich verbringt Linda den Nachmittag bei ihrem Nachbarn, Hubert, um die polnische Pflegerin Ewa zu entlasten.
Obwohl Linda sich im Rahmen ihres Nebenjobs um Hubert kümmert, entwickelt sich zwischen den beiden eine besondere Beziehung, die sich mit dem folgenden Zitat beschreiben lässt:
Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung.
Hierüber können die Lernenden kurz reflektieren. Warum brauchen ein 15-jähriges Mädchen, gennant Linda, und ein alter, dementer Mann, Hubert, einander, warum sind sie füreinander von geheimnisvoller Bedeutung?
Dabei ist wichtig, dass Linda, wie andere, gleichartige Mädchen, kein sorgloses Leben führt. Nachdem ihr Vater das Haus verlassen hat, wächst sie alleine bei ihrer Mutter auf, die einen Mann in ihrem Leben vermisst und ständig auf der Suche nach der wahren Liebe ist. Hubert verrät sie ihre tiefsten Geheimnisse, zum Beispiel dass sie manchmal vor ein Auto laufen möchte.
Trotz ihrer eigenen Schwierigkeiten kümmert Linda sich liebevoll um Hubert. Es tut ihr zum Beispiel viel leid, dass Hubert sein kleines Appartement nicht mehr verlässt, immer dieselben Wände und Räume und nie den Himmel sehen kann. Deshalb überzeugt sie seine Pflegerin und fährt mit Hubert los. Sie nehmen zusammen den Bus, um an den See zu fahren. Als Hubert da ein Entenpaar entdeckt und Linda Huberts Lieblingslied 'Wann wird's mal wieder richtig Sommer' singt, passiert etwas Wunderbares ...
Und dann passiert es: völlig unerwartet, völlig verrückt, einfach so. Hubert greift nach meiner Hand und drückt sie. Noch nie hat er meine Hand genommen. Immer war ich es, die seine Hand genommen hat, nie umgekehrt. Seine warm, meine warm. Der Kloß in meinem Hals ist größer als mein Kopf. Das Blut wallt in meinen Ohren. Die Sonne zaubert Sterne ins Wasser. Sterne, die vor meinen Augen verschwimmen, weil mich der Gedanke, dass wir sterben, zu Tränen rührt. Ich frage mich, was hier los ist, und ich wünsche mir, dass ... das Entenpaar zweihundert Mal vorbeischwimmt. Zwanzig Meter entfernt setzen zwei Schwäne zum Flug an und Hubert hebt sein Kinn in Richtung Schwäne, als wollte er mich auf sie aufmerksam machen. Er hält immer noch meine Hand. Und ich rede drauflos, weil ich so Vieles sagen möchte, wobei nur wirres Zeug aus meinem Mund kommt, aber das macht nichts....
"Es wäre schön, wenn ich etwas für dich tun könnte", sage ich, "vielleicht gibt es jemanden, den du ein letztes Mal sehen möchtest, einen Kollegen oder vielleicht eine alte Liebe. Vielleicht gibt es jemanden, dem du etwas schenken möchtest? Ein Buch. Ein Bild. Einen Blumenstrauß. Es gibt Menschen, die verschenken alles und es gibt Menschen, die behalten alles für sich. Ich weiß nicht, zu welchen du gehörst, Hubert? Wie soll ich das auch wissen?" Ich zeige in Richtung Strandbad: "Dort hast du einen Siebenjährigen aus dem Sportbecken gezogen. Weißt du das noch? Genau im richtigen Moment hast du bemerkt, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmt. Du hast einen Riecher für so was, haben deine Kollegen gesagt. Und die Mutter des Jungen hat dir einen langen Dankesbrief geschrieben, von Hand, auf Briefpapier. Jedes Jahr an dem Tag, an dem du den Kleinen gerettet hast, das war der 4. August, hast du den Brief gelesen, bist in die Kirche gegangen und hast eine Kerze angezündet. Das hat mir deine Tochter erzählt. Bei dir ist nie ein Kind ertrunken." Hubert nickt, und beim Blick in seine Augen glaube ich, die Summe seines Lebens zu sehen. All das Glück- und Pechgehabt, die vielen Jahren mit Rosalie (= seiner ehemaligen Frau, die schon verstorben ist), all die Sommer.
Nachdem die Lernenden den Ausschnitt gelesen haben, dürfen sie über dessen Bedeutung reflektieren. Dabei könnten folgende Fragen gestellt werden:
Anschließend könnte die Lehrkraft die Lernenden dazu anregen, über die Bedeutung anderer Menschen in ihrem eigenen Leben nachzudenken. Welche Menschen sind ihnen besonders wichtig? Wen würden sie besonders vermissen? Wen brauchen sie?
Für Linda steht fest, dass es zwei Arten von Menschen gibt: diejenigen, die alles verschenken, und diejenigen, die alles für sich behalten. Obwohl Linda nicht weiß, zu welcher Gruppe Hubert gehört, ist sie selbst jemand, der gerne gibt. So denkt sie darüber nach, wem sie etwas schenken würde und was sie diesen Menschen schenken könnte.
Gelegentlich denke ich darüber nach, was ich wem schenken würde. Keine realen Geschenke, die man auspacken kann. Mehr so Spinnereien, über die meine Oma gesagt hätte: Du hast eine rege Fantasie, mein Kind.
Hubert würde ich als Ersten beschenken. Ich würde ihm einen Mittwoch mit Rosalie schenken. Zeitungslesend würde er in der Küche sitzen und Rosalie würde vom Einkaufen kommen. Das Warten hätte endlich ein Ende. Das Umblättern vom Heimat- und Sportteil würde den Unterschied machen. Die Seite zuvor wäre sich noch beim Einkaufen. Er würde umblättern, den Blick heben und sie wäre zurück, die Einkaufstasche in der linken, die Handtasche in der rechten Hand. Sie hätte weiße Gladiolen mitgebracht, vom Wochenmarkt, die sie anschneiden und in eine Bodenvase stellen würde.
Nachdem die Lernenden den Romanauszug gelesen haben, überlegen sie zunächst, warum Linda Hubert ausgerechnet einen gewöhnlichen Mittwoch mit Rosalie schenken möchte.
Anschließend werden sie selbst kreativ. Sie stellen sich vor, dass sie einem Menschen etwas schenken könnten, das man nicht kaufen kann: einen besonderen Augenblick, eine schöne Erinnerung oder einen unerfüllten Wunsch.
Wem würden sie etwas schenken? Was würden sie schenken? Warum gerade dieses Geschenk? Und wie würde die Person diesen besonderen Moment erleben?
Die Lernenden gestalten eine Geschenkkarte, auf der sie ihren besonderen Augenblick möglichst anschaulich beschreiben. Außerdem geben sie ihrem Geschenk einen fantasievollen Titel, beispielsweise „Ein Mittwoch für die Ewigkeit“, „Ein Tag ohne Sorgen“ oder „Noch einmal Kind sein“. Dabei verwenden sie, genau wie Linda im Roman, den Konjunktiv II.
Zum Schluss erzählt die Lehrkraft, wie die Geschichte weitergeht.
Eines Tages wird Linda auf dem Weg zum Zahnarzt (zufällig?) von einem Auto angefahren. Laut dem Arzt hat sie unverschämtes Glück gehabt, denn nur ihr Bein wurde schwer verletzt. Nachdem sie einige Tage im Krankenhaus verbracht hat, besucht sie Hubert. Sein Gesundheitszustand hat sich inzwischen jedoch deutlich verschlechtert. Er kann weder essen noch trinken und ist mittlerweile bettlägerig.
Drei Tage vor Silvester stirbt Hubert. Doch damit nicht genug: An Silvester erhält Linda eine weitere schreckliche Nachricht. Auch ihr einziger Freund Kevin ist gestorben.
Linda ist erschüttert, erkennt aber allmählich, dass sie ihr Leben nicht aufgeben darf. Es gibt noch immer Menschen, für die sie von Bedeutung sein kann – vielleicht sogar von jener „geheimnisvollen Bedeutung“, von der im Roman die Rede ist.
Wie verstehen die Lernenden also das Zitat "Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung", nachdem sie die Geschichte von Linda und Hubert kennengelernt haben? Welche Bedeutung hatten Linda und Hubert füreinander?


